FIASKO – Opern-Installation

Idee, Umsetzung K.A.U.&Wdowik (Philipp Bergmann, Thea Reifler, Matthias Schönijahn, Malgorzata Wdowik) // Komposition Wojtek Blecharz // Cinematography Dino Osmanovic // Licht und Ton Jones Seitz // Kamera-Asstenz Benjamin Schmid // Produktionsmanagment Theresa Willeke, Silvia Dudek

Mit
Akkordeon Stefanie Mirwald
Kontrabassflöte Sylvia Hinz
Gesang Rupert Enticknap (Jessica Gadani, Dresden)

FIASKO ist eine transeuropäische Opern-Installation, die an die Tradition der Oper anknüpft und sie in eine zeitgenössische, offene Form überführt. Ausgehend von der Metapher des Stimmverlusts und vor dem Hintergrund aktueller europäischer Konflikte begaben sich das Regieteam K.A.U.&Wdowik, der Komponist Wojtek Blecharz und der Kameramann Dino Osmanovic auf eine filmische Reise an die östlichste Grenze Europas: Von Deutschland über die Bucht von Gdańsk bis nach Kaliningrad begegneten sie dabei verhallenden Ausdrucksformen lokaler Traditionen – wie etwa einer Trachtengruppe, die auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik Kreistänze vollführt, den Summgesängen polnischer Bäuerinnen beim Daunen zupfen oder Jagdhornbläser*innen und Dudelsackpfeifern mit imposanten Blasinstrumenten. Ihre Begegnungen mit Menschen, Musikstilen und Geschichten verknüpfen die Künstler*innen in eindrucksvollen Bildern. Das musikalische Material der Traditionsgruppen im Film verbindet der Komponist Wojtek Blecharz dafür mit verfremdeten Reminiszenzen aus dem klassischen Opernrepertoire und eigenen Kompositionen.

Als Installation wird die Gattung Oper dabei nicht nur ihrer Primadonna, sondern auch der Bühne, des Auditoriums, des Chors und des Orchesters beraubt. Übrig bleiben Trümmer und apokalyptische Geräuschlandschaften, vor denen eine Akkordeonistin, eine Flötistin und ein Countertenor live nach einer gemeinsamen Klangsprache suchen. Versteht man die Oper als traditionelle, europäische Kulturform, die in einem gemeinsamen Kraftakt Krisen und Katastrophen zum Ausdruck bringt, ist FIASKO zugleich Abgesang auf das europäische Werk und dessen Wiedergeburt!

Hintergrund

Der Opern-Installation FIASKO ging die fast drei Jahre dauernde Entwicklung der Film-Oper FIASKO voraus, einer Oper mit einem Road-Movie als Libretto.  Unter der zunehmenden Krisenstimmung in der Europäischen Union reisten das Regieteam K.A.U.&Wdowik, der Komponist Wojtek Blecharz und der Kameramann Dino Osmanovic von Deutschland über Polen über die Grenze der europäischen Gemeinschaft hinaus, nach Kaliningrad.

Die Reise führt durch den Harz, die Lausitz, Bydgoszcz, nach Domachowa in Pommern und die Kaschubei. Auf der Strecke wechseln die Gemeinschaften, unter deren Mitwirkung FIASKO entstand: Biskupiański Zespoł Folklorystyczny z Domachowa i Okolic, Die Fröhlichen Harzgebirgler, die Jadgdhornbläser der Jägerschaft Peitz, Kapela Dudziarska „Manugi“, die Wolfshäger Hexenbrut, Zespoł Pieśni i Tańca Ziemia Bydgoska, Ludwik Choszcz, Kazimierz Gruenholz, Jacek Kitowski, Tadeusz Makowski. Es sind Personen und Gruppen, die ihre jahrhunderte alten Traditionen noch immer pflegen und versuchen, sie in eine ungewisse Zukunft zu tragen.

Die Katastrophe als Sujet der Oper diente als narrativer Wegweiser für die auf der Reise produzierten Bilder. Die traditionelle Musik wurden durch Wojtek Blecharz’ Kompositionen in einen Dialog mit Fragmenten des Opernrepertoires gesetzt, ohne eine Hierarchisierung des musikalischen Materials vorzunehmen. Ein vierzig-köpfiger Chor auf der Bühne sowie ein sechzig-köpfiges Orchester unter der Leitung von Johannes Harneit waren an der Ur-Aufführung der Film-Oper FIASKO beteiligt.

In der Opern-Installation FIASKO betreten die Besucher*innen einen Raum, der von der Metapher des Verlusts der Stimme ausgeht. Es beginnt mit der Ouvertüre, die aus musikalischen Fragmenten der Film-Oper besteht und Bilder der Reise zeigt. Aus den Trümmern der Film-Oper FIASKO, den Filmen und O-Tönen entsteht in Kombination mit einer eigens für diese Installation entwickelten Partitur für Akkordeon, Flöte und Stimme ein Abend, der von der poetischen Kraft und der Gefahr des Verlusts erzählt.

Produktion K.A.U.&Wdowik/Blecharz Koproduktion Staatstheater DarmstadtEuropäisches Zentrum der Künste Hellerau, Nowy Teatr Warsaw, studiobühneköln und SOPHIENSÆLE Berlin. Gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes